IN BURGEN UND SCHLÖSSERN - ROMANTIK DURCH DIE JAHRHUNDERTE

 

WeißerTurmAusschnittBreitVolker Northoff re kleinDie Castle Concerts waren 2014/2015 getragen von einem Leitgedanken, der jeden Konzertbesucher angesichts des historischen Ortes unmittelbar berührt: Burgen und Schlösser, Könige und Fürsten regen seit jeher unsere Fantasie an und stehen für "Romantik durch die Jahrhunderte". Schlossherren und Adlige als Förderer der Kunst, höfische Musikkultur voller Gefühl oder sagenumwobene Burgen als programmatisches Sujet - das waren die Themen, denen sich die Konzerte der Saison aus immer neuen Blickwinkeln näherten.

Dass Romantik in der Musik weit mehr umfasst als die so benannte Epoche, haben viele der vorgestellten Werke aus drei Jahrhunderten und ihre Interpretation durch herausragende Musiker spürbar gemacht - unvergessliche Konzerterlebnisse an einem ganz besonderen Ort!

Das Rubin-Quartett zeigte mit Streichquartetten des klassischen Dreigestirns - Haydn, Mozart, Beethoven - im Eröffnungskonzert am 9. November 2014, wie sich die Rolle adliger Förderer und Gönner im Laufe der Musikgeschichte verändert hat. War Joseph Haydn noch ganz eingebunden in die Welt der Fürsten, so repräsentierte Wolfgang Amadeus Mozart im Gegensatz dazu eine Zeit künstlerischer Neuorientierung und Selbständigkeit. Beethoven schließlich lebte als freier Musiker unabhängig vom Adel, was ihn aber nicht daran hinderte, dem mit einer Gräfin verheirateten russischen Diplomaten und Mäzen Andrej Rasumowsky drei Streichquartette zu widmen, deren zweites den Höhepunkt des Konzertes bildete.

Das Adventskonzert am 14. Dezember 2014 mit dem Kölner Ensemble Nel Dolce gewährte unter dem Motto "Royal Christmas" einen Einblick in die Musikkultur am englischen Hof der Barockzeit, als in ganz Europa jegliche Kunstmusik ohne die Impulse und Aufträge von Königen und Fürsten undenkbar war. Dies galt auch für die Landgrafen von Hessen-Homburg, die uns mit der Schlosskirche einen wunderbaren Raum hinterlassen haben, in dem Werke u.a. von Händel, Matteis, Porpora und Purcell auf originalgetreuen Instrumenten erklangen.

Ins Herz der Romantik entführte am 1. Februar 2015 das Bläserquintett der Sächsischen Staatskapelle Dresden sein Publikum mit dem zentralen Werk des Programms: Eigens für dieses Konzert hat der Oboist Bernd Schober die sinfonische Dichtung "Vyšehrad" von Bedřich Smetana für fünf Bläser bearbeitet. Die Komposition beschreibt die Geschichte einer bekannten Burg bei Prag oberhalb der Moldau - das Eingangsmotiv ist denn auch allen Musikfreunden bekannt und vertraut, zitiert es Smetana doch in seinem zum gleichen Zyklus gehörenden, berühmten Werk "Die Moldau".

Mit besonderer Dankbarkeit und Stolz erfüllt uns, dass die weltbekannte Pianistin Lilya Zilberstein einen ganz persönlichen Beitrag zum musikalischen Leitgedanken der Saison beisteuerte. Ihr Solokonzert am 10. Mai 2015 endete mit einem der fulminantesten Klavierwerke überhaupt, das ihr am Herzen liegt wie wenige andere: Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung". Das zweite der darin beschriebenen Bilder trägt den Titel "Das alte Schloss", und auch das imposante Schlussstück über "Das Große Tor von Kiew" ließ sich hören wie ein musikalisches Gemälde einer prächtigen Burg.

Zuvor waren zwei Duos zu erleben, die der Schlosskirche besondere klangliche Reize abgewannen. Am 1. März 2015 spielten die Harfenistin Olja Kaiser und die Organistin Ulrike Northoff Werke u.a. von Händel, Bach, Blanco, Tschaikowsky, Rodrigo, Tournier, Rousseau und Renaud. Die Große Bürgy-Orgel von 1787 trug strahlend zu den Klangkaskaden bei, mit denen die beiden virtuosen Künstlerinnen auf den "göttlichen" Instrumenten Harfe und Orgel die Schlosskirche erfüllten.

Reizvolle Klänge ganz anderer Art bot am 22. März 2015 das DuoScope. Unter diesem Namen präsentierten der Klarinettist Andy Miles und die Cellistin Laura Wiek ein Programm, dessen Zusammenstellung das Publikum mitbestimmte. Couperin oder Mozart? Kodaly oder Lindberg? Die Besucher hatten die Wahl und konnten uns vor dem Konzert ihre Wünsche per Postkarte, E-Mail oder Telefon mitteilen. Der intime Dialog zweier gefühlvoller Instrumente schuf in der Schlosskirche eine besondere Atmosphäre, durch die das Konzert von DuoScope unverwechselbar und unvergesslich wurde.

Centuries in Romance AusschnittEin letztes Konzerterlebnis fehlt noch in diesem Überblick. Es war der Höhepunkt der Saison 2014/2015 und eine Premiere in doppelter Hinsicht. Denn zum einen hat der österreichische Pianist Franz Vorraber eigens hierfür das Castle Chamber Orchestra zusammengestellt, das sein Debüt-Konzert gab und mit seinem kultivierten Klang den Castle Concerts auch in Zukunft verbunden bleiben wird.

Zum anderen kam Franz Vorrabers im Auftrag der Castle Concerts komponiertes "Romantic Castle Concerto" für Klavier und Streichorchester zur Uraufführung, eingerahmt von zwei Klavierkonzerten Joseph Haydns und Frederic Chopins, deren Interpretation spürbar machte, wie vielfältig und überraschend sich dem Lebensgefühl der Romantik in der Musik verschiedener Jahrhunderte nachspüren lässt ... der sonnendurchflutete Blick vom oberen Schlosshof des Bad Homburger Landgrafenschlosses über Palmen hinweg auf die sanften Höhenzüge des Taunus mag jeden an dieses besondere Konzert erinnern, der dabei war.

Auch in dieser Saison dokumentierten wir ausgewählte Musikereignisse der Castle Concerts in der gleichnamigen CD-Edition. Mein herzlicher Dank für die intensive Zusammenarbeit hierbei gilt Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger von der K&K Verlagsanstalt.

 

Volker Northoff, Veranstalter und künstlerischer Leiter